Georgette Heyer by Lady April

Georgette Heyer by Lady April

Author:Lady April [Lady April]
Language: deu
Format: epub
Published: 0101-01-01T00:00:00+00:00


8

Letty verbrachte den ganzen Tag auf dem Bryanston Square, zur Freude von Mrs. Thorne, die sie, nachdem sie von einer ausgedehnten Einkaufsexpedition mit Fanny zurückgekehrt war, herzlich umarmte. Sie hatten beabsichtigt, sich Seiden und Musseline für Fannys Trousseau vorlegen zu lassen. Obwohl diese Tour durch die Warenhäuser bloß ein vorläufiges Scharmützel gewesen war, hatten sie doch so viel eingekauft und so viele Stoffmuster mitgebracht, um sie in Ruhe betrachten zu können, daß während Lettys Anwesenheit nur noch über sehr wenig anderes gesprochen wurde. Mrs. Thorne bemerkte wohl, daß Letty in ziemlich gedrückter Stimmung war, schrieb dies jedoch einer Laune zu, die sie nicht weiter beachtete. Beklagenswerterweise erwähnte sie in nicht sehr glücklich gewählter Form, sie hätte nicht erwartet – wiewohl Fanny um drei Jahre älter war –, daß diese vor ihrer Cousine Letty heiraten würde.

Inzwischen verbrachte Nell einen ebenso untadeligen wie langweiligen Tag. Sitzende Beschäftigungen, wie Netzen, Spitzenzusammensetzen, Fransenknüpfen oder eine Patience zu einem erfolgreichen Ende zu bringen – diese neue Form des Zeitvertreibs, welche ihr der Prinzregent huldvollst persönlich erklärt hatte –, ließen ihren Gedanken zuviel Spielraum, um sich mit ihren Sorgen abzuquälen. Sie begann sehr bald zu bedauern, es abgelehnt zu haben, selbst an einer so harmlosen Unterhaltung teilzunehmen, wie es die Einstudierung eines französischen Ländlers für eine exklusive Matinee war. Im allgemeinen schien sie nie genug Zeit zu haben, um ihren vielen Verpflichtungen nachzukommen, denn erstens bot die in vollem Gange befindliche Saison jede Art der Unterhaltung, angefangen von einem venezianischen Frühstück bis zu einem großen Ballonaufstieg. In den kurzen Intervallen überließ sie sich entweder den Zauberkünsten Mr. Blakes, welcher eine lächerliche Gekkenhaftigkeit mit einer wahrhaft genialen Kunstfertigkeit verband, den Damen das Haar zu schneiden. Oder sie saß Mr. Lawrence zu ihrem Porträt. Cardross hatte ein lebensgroßes Porträt seiner bezaubernden jungen Frau in Auftrag gegeben, und da Lawrence, seit Hoppners Tod, der begehrteste Porträtist Englands war, würde es ihn keinen Penny weniger als vierhundert Guineen kosten. Aber Mr. Blake hatte für sie erst vor einer Woche einen smarten neuen Haarschnitt kreiert, und die Sitzungen bei Mr. Lawrence mußten verschoben werden, bis der Künstler von einer Indisposition völlig wiederhergestellt war. Sie hatte auch keine Lust gehabt, die Ausstellung der Königlichen Akademie im Somerset House allein zu besuchen, denn das wäre nicht nur langweilig, sondern ließe sie auch allzuleicht zur Beute einer andern unbegleiteten Dame werden. Wahrscheinlich der Miss Berry, die man zwar bewundern mußte, für die man jedoch keine Sympathie aufzubringen vermochte. London war überschwemmt mit ältlichen Damen – lieben Freundinnen ihrer Mama –, und Somerset House war genau der Ort, an dem man sie bestimmt treffen würde. Nachdem sie einige Zentimeter Fransen geknüpft, drei Seiten von Corinne gelesen, ziemlich sehnsüchtig einige Kinder beobachtet hatte, die im Garten des Platzes Federball spielten, und sich zu einem längst überfälligen Brief an Miss Wilby zu entschließen versuchte, fand sie, daß der Tag für diese sitzenden Beschäftigungen viel zu schön sei, und beschloß, mangels einer amüsanteren Zerstreuung, nach Chelsea zu fahren, um Tubbs' Blumen-Kindergarten in der Kings Road zu besuchen und



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